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Auf dem Jakobsweg zu neuen Einsichten

Beeindruckende Autorenlesung an der Mittelschule Siegsdorf

Eine ganz besondere Autorenlesung erlebten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9M sowie der beiden zehnten Klassen an der Mittelschule Siegsdorf. Zu Gast war der Kinder- und Jugendtherapeut Richard Schneider, der von einer außergewöhnlichen Reise berichtete, die ihn maßgeblich geprägt hat.

Schneider arbeitete im Jahr 2009 beim Jugendhilfeträger Jonathan unter anderem im Bereich der Jugendgerichtshilfe. Im Rahmen einer richterlichen Weisung wurde ihm ein 15-jähriger Jugendlicher zugeteilt, der bereits straffällig geworden war. Der junge Mann war Schulverweigerer, bewegte sich im Drogenmilieu und trat äußerlich im sogenannten „Ghetto-Style“ auf. Um ihm einen „besseren, aufrichtigeren Weg“ für sein Leben aufzuzeigen, fasste Schneider einen mutigen Entschluss: Er begab sich gemeinsam mit dem Jugendlichen auf den Jakobsweg in Spanien.

Sieben Wochen lang waren die beiden von Sevilla bis nach Santiago de Compostela unterwegs – zu Fuß, mit wenig Gepäck, dafür mit vielen Gesprächen, Auseinandersetzungen, Herausforderungen und Momenten der Stille. Was mit großer Motivation und dem festen Willen zur Veränderung begann, endete mit einer tiefgehenden Erkenntnis: Man kann weder die Welt noch einen Menschen verändern, wenn dieser selbst nicht dazu bereit ist.

In seiner Lesung berichtete Richard Schneider auf eindrucksvolle, authentische und sehr einfühlsame Weise von dieser Reise. Eineinhalb Stunden lang hörten die Schülerinnen und Schüler gebannt und mucksmäuschenstill zu. Fotos, Auszüge aus seinem Tagebuch sowie der originale Pilgerpass machten den Weg lebendig und ließen die Zuhörerinnen und Zuhörer unmittelbar daran teilhaben.

Auch persönliche Fragen waren ausdrücklich erwünscht und wurden offen beantwortet. Am Ende blieb nicht nur die Erinnerung an eine außergewöhnliche Reise, sondern vor allem die Erkenntnis, dass Veränderung Zeit, Mut und die eigene Bereitschaft braucht. Auch wenn Richard Schneider sein ursprüngliches Ziel nicht erreichte, eröffnete ihm der Jakobsweg neue Perspektiven – und veränderte sein eigenes Leben nachhaltig.

                                                                            Andrea Schmidtner